tertiär

ÔĽŅ
tertiär
aus drei bestehend

* * *

ter|ti|√§r ‚Ć©[ -tsj…õ:r] Adj.‚Ć™
1. die dritte Stelle in einer Reihe einnehmend
2. ‚Ć©Geol.‚Ć™ zum Terti√§r geh√∂rig
3. ‚Ć©Chem.‚Ć™ mit drei weiteren Kohlenstoffatomen verbunden (f√ľr Kohlen- od. Stickstoffatome bzw. f√ľr von diesen abgeleitete Verbindungen)
[<frz. tertiaire ‚Äěvon einer dritten Epoche herr√ľhrend‚Äú <lat. tertius ‚Äěder dritte‚Äú]

* * *

ter|ti|är [gleichbed. frz. tertiaire (lat. tertiarius = das Drittel enthaltend u. tertius = der Dritte)]:
1) im allg. u. wissenschaftlichen Sprachgebrauch Adjektiv u. Bestimmungswort von Zus. mit den Bed. ¬Ľdie dritte Stelle einer Reihe einnehmend, drittrangig¬ę, z. B. Terti√§rstadium, Terti√§rstruktur, Terti√§rzeitalter (Terti√§r);
2) in der Chemie Funktionsadjektiv (Abk.: tert.) mit der Bed. ¬Ľdritte[r/s], an drei gebunden, zu dritt¬ę zur Bezeichnung bestimmter Verbindungsklassen oder Gruppen, z. B. sind tert. Phosphate Salze, in denen alle drei H-Atome der Phosphors√§ure durch Metallatome ersetzt sind. Terti√§re Kohlenstoff- oder Stickstoff-Atome sind solche, die mit drei C-Atomen jeweils durch eine Einfachbindung verbunden sind (z. B. (H3C)3CH, N(CH3)3); auch das H-Atom in dem ersterw√§hnten Kohlenwasserstoff nennt man terti√§r (vgl. tert-). In tert. Alkoholen oder Aminen sind die funktionellen Gruppen jeweils an das terti√§re C-Atom gebunden (z. B. (H3C)3C‚ÄĒOH, R1R2R3C‚ÄĒNH2); es sei darauf hingewiesen, dass auch eine Verb. wie R3N (Trialkylamin) als terti√§res Amin bezeichnet wird. Vgl. prim√§r, sekund√§r.

* * *

ter|ti|är <Adj.>:
1. [frz. tertiaire < lat. tertiarius = das Drittel enthaltend, zu: tertius, ‚ÜĎ Tertia] (bildungsspr.)
a) die dritte Stelle in einer Reihe einnehmend;
b) drittrangig.
2. [zu ‚ÜĎ Terti√§r] (Geol.) das Terti√§r betreffend.

* * *

Tertiär
 
das, -s, Geologie: √§ltere Periode des K√§nozoikums; von der unterlagernden Kreide meist durch Schichtl√ľcken und Fazieswechsel sowie auff√§llige Faunenschnitte, vom √ľberlagernden Quart√§r v. a. pal√§oklimatisch abgegrenzt. Stratigraphisch wichtig sind Mikrofossilien (Nannoplankton, Foraminiferen, Pollen, Sporen), Weichtiere und Wirbeltiere.
 
 
Im Terti√§r entstand weitgehend das heutige Erdbild; Pole und Kontinente n√§herten sich ihrer heutigen Lage. Die alpinen orogenen und au√üeralpinen epirogenen Bewegungen des Terti√§rs pr√§gen heute die mitteleurop√§ische Landschaft. In der Tethys, die noch zu Beginn des Terti√§rs Eurasien von Afrika (einschlie√ülich Arabien und Vorderindien) als breiter Meeresraum trennte, kam es zu intensiver Tektonik, in deren Verlauf die alpidischen Gebirge entstanden, deren Kernzonen sich bereits in der Kreide gebildet hatten, in Afrika (Atlas), in Eurasien (Pyren√§en, Alpen, Apenninen, Karpaten, Kaukasus, Himalaja u. a.) und an der Westk√ľste Amerikas (Kordilleren). Ihre Vortiefen wurden mit Abtragsschutt (Flysch, Molasse) gef√ľllt und den entstehenden Gebirgen angefaltet. Auf den Festl√§ndern transgredierte das Meer und hinterlie√ü Flachmeerablagerungen (z. B. Londoner, Pariser, Belgisches, Wiener und Mainzer Becken, Oberrheingraben). Durch Sea-Floor-Spreading und Kontinentalverschiebung verbreiterten sich der Atlantische, Indische und Pazifische Ozean, w√§hrend die Tethys weitgehend verschwand, bis auf das Mittelmeer, das aber zeitweise abgeschlossen wurde und austrocknete (Ende Mioz√§n). Gro√üe Grabensysteme bildeten sich (v. a. Ostafrikanisches Grabensystem, Oberrhein-Rh√īne-Graben, Baikalgraben), Ansatzstellen f√ľr die Aufspaltung kontinentaler Platten (v. a. Rotes Meer). Die Erdkrustenbewegungen hatten starken Vulkanismus im Gefolge mit riesigen Basalterg√ľssen (Flutbasalte) auf den konsolidierten Schollen und Ozeanb√∂den (z. B. Mittelatlantischer R√ľcken, Island); junge Granite intrudierten in den Geosynklinalen.
 
Die Horstschollen der deutschen Mittelgebirge wurden gehoben, und die Salzst√∂cke Norddeutschlands setzten ihren Aufstieg fort. Im Oberrheingraben kam es zwischen Schwarzwald/Odenwald und Vogesen zu den Hauptbewegungen. H√∂hepunkt der vulkanischen T√§tigkeit (u. a. Vogelsberg) war im Mioz√§n, in dem auch die Meteoritenkrater Ries und Steinheimer Becken entstanden. Norddeutschland war im Altterti√§r weitgehend vom Meer bedeckt. Nur kurzfristig bestand im tieferen Oligoz√§n eine Meeresstra√üe zwischen der damaligen Nordsee und dem alpinen Molassemeer √ľber die Hessische Senke und den Oberrheingraben (Stein- und Kalisalzablagerungen). Dann setzte in Norddeutschland die Regression ein. Sie beschleunigte sich im Obermioz√§n, und im Plioz√§n zog sich das Meer auch aus dem Raum der Nordfriesischen Inseln zur√ľck. Nach dem untermioz√§nen Meeresvorsto√ü (Klifflinie in der Schw√§bischen Alb) nahm die Regression im n√∂rdlichen Alpenvorland im Westen ihren Ausgangspunkt; das Wiener Becken begann mit Ende des oberen Mioz√§n zu verbracken, s√ľ√üte w√§hrend des Pont aus und verlandete schlie√ülich.
 
Tier- und Pflanzenwelt weisen gegen√ľber der Kreidezeit gro√üe Unterschiede auf. Die weltbeherrschenden Gruppen der Ammoniten, Belemniten und v. a. Saurier gingen durch ein katastrophales Ereignis am Ende des Mesozoikums zugrunde (Dinosaurier).
 
 
Die Nacktsamer hatten den H√∂hepunkt ihrer Entwicklung hinter sich, waren aber als Waldbildner noch von Bedeutung. Aus dem Harz der unteroligoz√§nen Bernsteinkiefer entstand der Bernstein der Ostseek√ľste. Die Bedecktsamigen kamen in allen Kontinenten zur vollen Entfaltung, vielleicht bedingt durch die Entfaltung der Insekten und V√∂gel (Best√§ubung, Verfrachtung von Samen). Bis ins Mioz√§n waren in Mitteleuropa Maulbeerbaumgew√§chse, Magnolien, Lorbeergew√§chse und Palmen (im Pal√§oz√§n noch bis Nordgr√∂nland) verbreitet, daneben zunehmend Weiden-, Birken-, Buchengew√§chse sowie Nussb√§ume, Ulmen und Ahorne. Infolge der fortschreitenden Temperaturerniedrigung zogen sich seit dem Mioz√§n die W√§rme liebenden Pflanzen Mitteleuropas in s√ľdlichere Breiten zur√ľck. In limnischen Senkungsgebieten oder in randlichen Meeresbuchten f√ľhrte das √ľppige Pflanzenwachstum (Sumpfw√§lder, Busch- und Riedmoore; u. a. mit Sumpfzypresse und Mammutbaum, auch Nadelh√∂lzer) √ľber das Torfstadium zur Kohlebildung (Eoz√§n bis Mioz√§n), wobei Fl√∂zm√§chtigkeiten von 10 bis 20 m h√§ufig sind (√ľberwiegend Braunkohle, daher Terti√§r als Braunkohlezeit bezeichnet; aber auch Steinkohle). Gelegentlich werden die Fl√∂ze auch 100 m m√§chtig (Mitteldeutschland, Niederrheinische Bucht).
 
 
Im Altterti√§r enwickelten sich die Gro√üforaminiferen (Nummuliten, Alveolinen u. a.) zu wichtigen Leitfossilien. Die Kieselschw√§mme wanderten in gr√∂√üere Meerestiefen ab. Formenreich und riffbildend waren Korallen und Moostierchen. Die noch in der Kreide h√§ufigen Armf√ľ√üer wurden selten. Unter den Krebsen eroberten die Krabben fast alle Lebensgebiete des Meeres. Insektenfunde im baltischen Bernstein, im Geiseltal bei Halle (Saale) (hier wurden au√üerdem √§hnlich wie in Messel Weichteilzellgewebe einer artenreichen eoz√§nen Fauna und Flora konserviert) und in Mergeln bei √Ėhningen am Bodensee beweisen einen gro√üen Formenreichtum. Schnecken und Muscheln entwickelten neue Formen, ihr zunehmender Bestand an lebenden Arten erschwert die biostratigraphische Gliederung. Die Existenz von Knorpelfischen ist v. a. durch Funde von Haifischz√§hnen belegt. Die Knochenfische wiesen alle wichtigen heute noch lebenden Gruppen auf. Reste von Amphibien (Fr√∂schen und Salamandern) sind selten erhalten, h√§ufiger die von Reptilien (Schildkr√∂ten und Krokodilen). Die vorherrschenden Gruppen der V√∂gel entwickelten sich bereits im Altterti√§r. Nach dem Untergang der Saurier besetzten die S√§ugetiere deren Lebensr√§ume und erhielten einen Entwicklungsschub. Im Eoz√§n traten die ersten Halb-, im Mioz√§n die ersten Menschenaffen (beide auch in Europa) und gegen Ende des Terti√§rs die ersten Australopithecinen auf (nur in Afrika). Wichtig f√ľr die Entwicklung und Verbreitung von Landwirbeltieren waren neben Kontinentalverschiebungen auch Landbr√ľcken beziehungsweise Unterbrechungen zwischen den Kontinenten, z. B. im Bereich des Beringmeers oder Zentralamerikas oder die Thule-Landbr√ľcke zwischen Gr√∂nland und Nordwesteuropa, andererseits die fr√ľhe Isolierung Australiens (seit Ende der Kreide) oder die zeitweise S√ľdamerikas.
 
Das Klima des Terti√§rs l√§sst sich infolge der noch heute vorhandenen Lebewelt (¬ĽKlimazeugen¬ę: W√§rme liebende Tiere und Pflanzen) verh√§ltnism√§√üig gut rekonstruieren. Nach der etwas k√ľhleren Epoche im Pal√§oz√§n erreichte das tropische Klima im Mitteleoz√§n seinen H√∂hepunkt. Der tropische G√ľrtel reichte vom Pariser Becken bis ins s√ľdliche Afrika und von Japan bis Neuseeland. Im Oligoz√§n begann die Abk√ľhlung; Ende des Mioz√§ns verschwanden die Palmen aus Mitteldeutschland, die Nordgrenze der Riffkorallen wich gegen den √Ąquator zur√ľck. Pal√§otemperatur-Bestimmungen nach der Sauerstoffisotopen-Methode ergeben eine Temperatursenkung zum Ende des Terti√§rs hin um etwa 10 ¬ļC. Gleichzeitig wurden die jahreszeitlichen Klimaschwankungen immer deutlicher (Jahresringe der Holzgew√§chse). Im Oligoz√§n setzte die Vergletscherung der Antarktis, im Plioz√§n die Gr√∂nlands ein.
 
 
T., bearb. v. A. Papp u. a., 2 Bde. (1959);
 A. M. Davies u. F. E. Eames: Tertiary faunas, 2 Bde. (Neuausg. London 1971-75);
 C. Pomerol: The Cenozoic era. Tertiary and quaternary (a. d. Frz., Chichester 1982);
 
Nordwest-Dtl. im T., hg. v. H. Tobien (1986);
 D. H. Mai: Tertiäre Vegetationsgesch. Europas (1995).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Evolution: Die Entwicklung der Säugetiere
 

* * *

Ter|ti|är, das; -s [eigtl. = die dritte (Formation), nach der älteren Zählung des Paläozoikums als Primär] (Geol.): ältere Formation des Känozoikums.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • terŇ£iar ‚ÄĒ TERŇĘI√ĀR, ńā, terŇ£iari, e, adj. 1. Care reprezintńÉ stadiul al treilea sau faza a treia √ģn dezvoltarea unui lucru. 2. (√én sintagma) ErńÉ terŇ£iarńÉ (Ňüi substantivat, n.) = perioadńÉ geologicńÉ caracterizatńÉ prin mari prńÉbuŇüiri ale scoarŇ£ei terestre, care ‚Ķ   Dic»õionar Rom√Ęn

  • Terti√§r ‚ÄĒ (v. lat.), die dritte Stelle in einer Folge einnehmend. Daher Terti√§rformation (Molassengebirge), der Inbegriff der neptunischen Gesteinsschichten, deren Bildung nach der Ablagerung der Kreideformation u. vor der des Diluviums erfolgt ist (s.… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Terti√§r ‚ÄĒ (lat.), die dritte Stelle in einer Reihenfolge einnehmend; so hei√üt in der Heilkunde die dritte Periode der Syphilis terti√§re Syphilis; als Substantivum (das T.) auch soviel wie Terti√§rformation (s. d.) ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Terti√§r ‚ÄĒ Terti√§r, √§ltere Periode des Neozoikums, vor ca. 65‚Äď2 Mio. Jahren; gegliedert in Altterti√§r mit Paleoz√§n, Eoz√§n, Oligoz√§n und Jungterti√§r mit Mioz√§n und Plioz√§n. Die Angiospermen entwickelten sich weiter und breiteten sich in alle Klimabezirke aus ‚Ķ   Deutsch w√∂rterbuch der biologie

  • Terti√§r ‚ÄĒ Als Terti√§r bezeichnet man informell den geologischen Zeitabschnitt der Erdneuzeit vor Beginn des Quart√§rs. Das Terti√§r begann vor 65 Millionen Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn der Klimaver√§nderung vor rund 2,6 Millionen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • terti√§r ‚ÄĒ ter|ti|√§r ‚Ć© [ tsj…õ:r] Adj.‚Ć™ 1. die dritte Stelle in einer Reihe einnehmend 2. ‚Ć©Geol.‚Ć™ zum Terti√§r geh√∂rig [Etym.: <frz. tertiaire ¬Ľvon einer dritten Epoche herr√ľhrend¬ę <lat. tertius ¬Ľder dritte¬ę] ‚Ķ   Lexikalische Deutsches W√∂rterbuch

  • Terti√§r ‚ÄĒ Ter|ti|√§r ‚Ć© [ tsj…õ:r] n.; Gen.: s; Pl.: unz.; Geol.‚Ć™ Formation des K√§nozoikums vor 60 Mill. bis 700¬†000 Jahren mit alpinischer Gebirgsbildung, Entstehung von Braunkohle [Etym.: ‚Üí terti√§r] ‚Ķ   Lexikalische Deutsches W√∂rterbuch

  • terti√§r ‚ÄĒ ter|ti|√§r <aus gleichbed. fr. tertiaire, dies aus lat. tertiarius ¬Ľdas Drittel enthaltend¬ę>: 1. dritte Stelle in einer Reihe einnehmend; drittrangig. 2. (von chem. Verbindungen) jeweils drei gleichartige Atome durch drei bestimmte andere… ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • terti√§r ‚ÄĒ ter|ti|√§r <franz√∂sisch> (an dritter Stelle; das Terti√§r betreffend) ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • terŇ£i√°r ‚ÄĒ adj. m. (sil. Ň£i ar), pl. terŇ£i√°ri; f. sg. terŇ£i√°r√£, pl. terŇ£i√°re ‚Ķ   Romanian orthography


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.